Weihnachten nach dem Kriege

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Es war 1949. Wenn die Abende länger wurden und die Feld- und Gartenarbeit beendet waren kam eine Zeit die uns Kinder sehr gefiel. Die Mutter, die Großmutter und der Großvater, alle hatten mehr Zeit für andere Dinge die das nicht immer leichte ländliche Leben verschönten. Immer wieder hörten wir Kinder in der Familie sagen, "bald ist Weihnachten!". Ja da gab es aber für die siebenköpfige Familie noch viel zu tun, denn es sollten für die ganze Familie Festtage sein.

An alles musste gedacht werden- was bekommen die Kinder? Die Stollenzutaten waren auch noch nicht zusammen, es gab keine Mandeln, keine Rosinen, kein Zitronat, doch Oma und Mutter wussten sich zu helfen und so ging es ans Werk. Wir Kinder hatten den Auftrag Pflaumenkerne auf dem Schuhdreibock aufzuschlagen und die Kerne als Mandeln zu gewinnen. Zitronat wurde aus grünen Tomaten hergestellt und die Stückchen in Zucker eingelegt. Vorsorglich hatte die Mutter schon Monate zuvor von den Bezugscheinen für Zucker und anderen Zuteilungen immer etwas weggelegt.

Aufregung herrschte bei Allen wenn ein Paket aus dem Westen kam, die Mutter bekam mancherlei zum Fest. Schokolade, Rosinen und Kaffee waren der Renner sowie eine weihnachtliche Briefgeschichte mit lieben Grüßen zum Fest vom großen Bruder. Dann kam der große Backtag und der Teig wurde zu Hause mit allen Zutaten geknetet und geformt. In die Mühle kamen dann 12 Stollen (für jeden Monat des Jahres)in den großen Backofen- und heraus kamen herrliche braune Köstlichkeiten an denen ja alle Anteil hatten.

Was immer uns Kindern auffiel- plötzlich waren die Puppenstube, der Bauernhof mit den Schafen und Pferden und manch Puppe nicht mehr da. Dann hieß es - der Weihnachtmann hat es geholt. Abends erzählte die Großeltern wie früher Weihnachten in Kriegs- und Friedenszeiten gefeiert wurde und viele Lebensgeschichten. Onkel Gottfried erzählte zudem auch aus dem Krieg und der russischen Gefangenschaft aus der er nur knapp mit seinem Leben davon gekommen war. Das war für uns Kinder sehr spannend und für unsere Lebenseinstellung sicherlich behilflich.

Die Ski oder unsere ”Fasstauben” waren viel im Einsatz und auch unsere Schlittschuhe, besser auch Absatzabreißer leisteten in der winterlichen Laußitz fast täglich ihren Dienst. Ein besonderer Höhepunkt war dann auch in der Adventszeit das Plätzchen backen. Hier konnten wir dann auch mal unsere Fantasie in vielen Formen des Plätzchenteiges darstellen und natürlich auch naschen. Am Nikolaustag waren alle Schuhe von uns blitzblank geputzt und mit ein paar Plätzchen gefüllt- welch eine Freude. Überall hatte die Mutter Zweige hinter die Bilder und in die Vasen gesteckt, es sah schon sehr festlich aus.

In die gute Stube durften wir Kinder seit geraumer Zeit nicht mehr, doch hinter dieser Tür geschahen vielerlei Dinge die uns sehr neugierig machten. Die Tiere wurden natürlich ebenfalls nicht vergessen und besonders beachtet. Die Ofenpfanne musste täglich von uns Kindern gefüllt werden, damit immer warmes Wasser zum Waschen und baden aber auch für die Tiere zum Tränken da war. Was sonst nicht so gern von uns Kindern gemacht wurde z.B. Holz holen, die Kaninchen und den Hund “Barri” füttern, Ofenpfanne auffüllen oder Wasserrüben zum Füttern herrichten, war jetzt Ehrensache, denn nur artige Kinder wollte der Weihnachtsmann sehen.

Die Mutter aber auch die Oma putzten die Fenster und die Holzdiele in der Küche wurde geschruppt- alles musste sauber und ordentlich sein. Am 23.12.- sangen wir alle am Abend “ Morgen Kinder wird‘s was geben” und dann pünktlich ins Bett, denn am Weihnachtsabend durften wir länger aufbleiben. Am Heiligabend waren wir Kinder dann auch besonders gehorsam und den ganzen Tag der Mutter behilflich. Am Nachmittag spielten wir Weihnachtslieder auf der Mundharmonika und sangen dazu. Bevor die Bescherung war badete die ganze Familie .Dazu musste die Zinkbadewanne in der Futterkammer (Raum wo sonst das Gras für die Tiere lag) aufgestellt werden und mit etlichen Eimern heißem Wasser aus der Ofenpfanne sowie 2-3 Eimer kalten Wasser aus der Schwengelpumpe aufgefüllt werden. Dann war es endlich soweit- alle Geschwister warteten gespannt in der Küche und murmelten noch schnell einen Vers den wir für den Weihnachtsmann gelernt hatten. Der Großvater ging am Abend höchstselbst in die Futterkammer um für jedes Tier eine extra Ration Futter fertig zu machen. Jede Milchkuh bekam zudem noch ein Stück Brot und ein Kreuz auf die Stirn.

Eine Erlösung war dann wenn die Tür zur guten Stube geöffnet wurde und wir den Weihnachtsbaum sehen konnten. Eine Fichte erstrahlte im Kerzenlicht-und der Weihnachtsschmuck der aus dem Krieg gerettet wurde wie Lametta, bunte Vögel, herrliche Glaskugeln glitzerten um die Wette. Doch das war noch nicht alles denn unter diesen schönen Baum standen wie neu der Bauernhof-frisch angemalt oder die Puppe mit neuen genähten Kleid sowie Teller mit Äpfeln und Nüssen. Kleine Päckchen waren für uns von besonderer Bedeutung- denn was da wohl drin war? Die Stube die sonst immer kalt und wenig erleuchtet war erstrahlte im Kerzenlicht und der kleine Kanonenofen glühte in wohliger Wärme.

Die ganze Familie war versammelt- der Großvater saß im Lehnstuhl und rauchte eine Pfeife selbstgemachten Tabak, Großmutter und die Mutter standen bei uns und alle sangen “ Oh Tannenbaum “. Plötzlich klopfte es an der Tür und der Weihnachtsmann stampfte mit Sack und Rute herein (das war der Onkel der im gleichen Jahr erst aus der russischen Gefangenschaft nach Hause gekommen war). Wir wichen respektvoll zur Seite. Nach dem Aufsagen unserer Verse und der dazugehörigen Frage des Weihnachtsmannes, ob wir denn auch artig gewesen seien, konnte es ein Geschenk oder erst einmal einen Rutenstreich auf den Hintern geben. Doch dann war eine ungeteilte Freude unter Jung und Alt, alle wünschten sich ein frohes und gesundes Weihnachten, Frieden und Gesundheit.

Nachdem wir unsere Geschenke inspiziert hatten z.B. eine Mundharmonika oder ein Buch wurde der Tisch zum weihnachtlichen Abendessen gedeckt. Es duftete verlockend, denn Kartoffelsalat mit hausgemachten Köstlichkeiten und sauren Gurken gab es sonst nicht alle Tage. Nach dem Tischgebet ließ sich die ganze Familie die aufgetischten Leckereien gut schmecken. Der Onkel spielte auf der Hausorgel und alle sangen und waren zufrieden und blickten zuversichtlich in die Zukunft. Diese Momente des Lebens bleiben wahrscheinlich für immer im Herzen eines Menschen.                                                                                                                            G.B.Geschenke

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