am: 11.10.2009     [Wanderung]     vom: 03.01.2010

Stichwörter


Kamenz Weißig Schloss Gut von Zehmen Gasthof Zur Einkehr Teichwirtschaft Froschradweg Krabatradweg Park Gruft Biergarten Steinbruch

[Die letzten 5]


Absage
Neuer Glanz
Neues Jahrzenhnt!!
Adventssingen
Fischerfest
Unsere Vereine
Herbstwanderung am Sonntag, dem 11.10.09 gelungen!
Bis 15.30 Uhr waren alle wieder wohlbehalten in der Gaststätte bei Kaffee und Kuchen anzutreffen.
16 Wanderfreunde waren gekommen. Hier noch eine historische Nachbetrachtung:

Maiausflug des Kamenzer Altertumsvereins

Einen schöneren Tag als den gestrigen konnten sich der Kamenzer Altertumsverein* und die Isis** für ihren Ausflug an die Langwälle von Zeisholz nicht wünschen. Heiß brannte zwar die Sonne auf die Heidegegend herab, doch der Regen des vergangenen Tages hatte eine würzige Luft geschaffen und gestaltete den Studienausflug zu einem besonderen Erlebnis.

Gemeinsam mit einigen Bautzener Teilnehmern versammelten sich die Kamenzer Damen und Herren nachmittags gegen 3 Uhr an der sächsisch-preußischen Grenze bei Zeisholz, an den Langwällen, die so außerordentlich interessant sind und zu verschiedenen Vermutungen Anlass gegeben haben. Herr Dr. Frenzel gab einen Rückblick auf die Entstehungsgeschichte dieser heute noch sehr gut erhaltenen Wehranlagen. Sie reichen von Zeisholz in westlicher Richtung bis zur Ziegelei von Weißig. Die Wälle lehnen sich an die Südseite der Jeser, das sind Bodenvertiefungen, an. Die Doppelgräben bilden von jeher schon Grenze, auch heute noch sieht man den Verlauf der 1815 zwischen Sachsen und Preußen gezogenen Grenze. Lange Zeit sind die Doppelgräben in ihrem Wesen unerklärt geblieben, da gelang es in den Jahren 1826/27 eine Erklärung aus den Görlitzer Ratsrechnungen zu finden, die zwar nicht auf die Langwälle von Zeisholz Bezug nimmt, aber auch auf die Entstehungsgeschichte dieser Wälle angewandt werden kann. 1309 begann eine Expedition des Görlitzer Adels nach dem Norden des Landes, wo Grenzverwirrungen vorgekommen waren. 1409 erfolgte dort die Anlage von langen Wällen zum Schutze der Heidebewohner gegen räuberische Einfälle. Die Besiedelung der Heide ist also für diese Zeit schon urkundlich festgelegt und die Beziehungen zwischen Langwällen und gewissen Grenzbildungen sind somit gegeben. Die großen Fehden des Mittelalters machen es verständlich, dass die Einbrüche aus dem Norden in das besiedelte Land verhindert werden mussten. Die vorhandenen Flussläufe und Sumpfgebiete wurden als natürliche Wehranlage benutzt, die Sümpfe teilweise trockengelegt und darauf die Wälle errichtet. Ihr Zustand mag früher besser gewesen sein, sie waren mit Wald bewachsen, der einen natürlichen Schutz bot. Durch den Waldpflug sind allerdings verschiedene Strecken später eingeebnet worden. Für die gesamten Wälle in der Görlitzer Gegend sind eine Fülle von urkundlichen Angaben vorhanden, nur für das besterhaltene Stück Zeisholz und Weißig sind bisher noch keine Belege gefunden worden. Es ist aber anzunehmen, dass es sich um nichts anderes handelt, sondern den Zeisholzer Langwällen der gleiche Zweck zugesprochen werden muss wie denen in der Görlitzer Heide. Die gesamten Anlagen sind von den finanzkräftigen Sechsstädten*** angelegt worden, und die Arbeit war so groß, dass sie gewissermaßen als genossenschaftliches Unternehmen anzusehen ist. Herr Dr. Stephan machte darauf aufmerksam, dass die Wälle gerade an der Stelle liegen, wo die Herrschaft Kamenz zu Ende geht, das bestätigt aber wieder nur den Zweck dieser Langwälle als Grenze.

Herr Dr. Berger erläuterte die Entstehung der Jeser, die zwischen den Wällen liegen und nach beiden Seiten hin abflusslos sind. Fast immer tragen sie Wasser, das auf den tonigen Untergrund zurückzuführen ist. An der Landesgrenze sind diese ganz besonders häufig, und zwar immer dort, wo die Braunkohlelager eine bedeutende Störung erfahren haben. Das Inlandeis, das in der Eiszeit von Norden kam, hat Braunkohlenlager gepresst und gefaltet, so dass sie teilweise an der Erdoberfläche lagen, teilweise tiefer. An Stellen wo die Sättel der Braunkohle Erdoberfläche erreichten, trocknete sie aus und das Erdreich sank nach, hier bildeten sich dann diese Wassertümpel. Dort wo die Lagerung der Braunkohle tiefer ist, ist meist trockenes Gelände.

Die Wanderung fand ihren Abschluss am Wall von Weißig. Die flache, sandige Erhebung ist lange Zeit gesucht worden und als Wallanlage heute noch sehr gut sichtbar. Die Nachforschungen haben zwar vorgeschichtliche Funde noch nicht zutage treten lassen, doch ist dies darauf zurückzuführen, dass die Wallanlage nur mit gelegentlich bewohnten Holzhäusern bebaut war, so dass nichts übrig bleiben konnte. Der trockene Wind, der über die flache Sandkuppe weht, hat sein übriges getan, um die früher vielleicht noch vorhandenen Kulturreste in alle Winde zu zerstreuen.

Quelle Bautzener Tageblatt, 34. Jahrgang  Nr. 113, 18.05.1931

Anmerkungen admin

*     Kamenzer Altertumsverein, Gründungsjahr 1928
**   Isis - Gesellschaft für allgemeine und spezielle Naturkunde Bautzen, Gründungsjahr 1845
       Quelle: 'Wissenschaftspopularisierung im neunzehntem Jahrhundert' von Andreas W. Daum,
       Oldenbourg Wissenschaftsverlag 2002, S.92
*** Sechsstädtebund gegründet am 21. August 1346 von Görlitz, Löbau, Bautzen, Kamenz, Zittau und Lauban

 



^