Das Zehmenschloss in Johannisthal

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Moritz Oskar von Zehmen, der vierte der Zehmengeneration in Weißig,
übernimmt 1844 das Rittergut Weißig als Fideikommiss in der Größe von
534 ha von seinem am 30. November des gleichen Jahres verstorbenen
Onkel Georg Christian Ludwig v. Zehmen. Er verpachtet die unrentablen
Teiche und folgt dem Trend der Zeit, die industrielle Revolution auf dem
Land mitzutragen.
Intensive Suche nach Bodenschätzen

Überall in der Umgebung werden die vorhandenen
Bodenschätze intensiv aufgespürt und industriell
genutzt. In Scheckthal entsteht 1842 die erste
Glashütte, in Skaska wird 1854 erstmals Braunkohle
gefördert und 1856 nimmt eine Braunkohlengrube in
Zeißholz die Förderung auf.

Bereits 1782 wurde in Bernsdorf ein Hochofen zur Eisengewinnung gebaut
und 1793 in Betrieb genommen. Dazu wurde sehr viel Energie gebraucht,
vorwiegend aus Holz gewonnen, da die Braunkohlegewinnung eine noch
sehr geringe Rolle spielte. Dieses Holz erhielt Bernsdorf laut Vertrag von
1781 aus einem Gebiet nahe Torno.

Moritz v. Z. muß wohl gewusst haben, dass es in dieser kargen Gegend
außer Holz noch andere Bodenschätze gibt, nämlich Kohle, feinen Glassand,
Lehm und Ton. Er kaufte um 1865 von Herrn von Grävenitz auf Bernsdorf
eine Fläche von 1500 Morgen, nämlich dieses Johannisthal. Das war etwa
die Hälfte der Fläche, die das Rittergut Bernsdorf 1863 vom Staat als
Abgeltung für eine seit 1781 vertraglich zugesicherte Holzlieferung zum
Betrieb eines Eisenhammers und einer Glasfabrik in Bernsdorf erhalten hatte.

Dem Erzählen nach hat Moritz diese Fläche beim Kartenspiel gewonnen und ihr den Namen „Johannisthal" zu Ehren
seiner Tochter Johanna gegeben. Diese Deutung ist aber falsch. Tochter Johanna wurde 1842 in erster Ehe mit Emma
von Wolffersdorf geboren, während der Ort Johannisthal als solcher bereits 1825 urkundlich erwähnt worden ist.

Bau einer kleinen "Industrieanlage"

Moritz ließ dort eine Ziegelei, eine Glasfabrik, eine Schäferei, ein "Schloss" nebst Gutsgebäude und
6 Wohnhäusern für die Arbeiter errichten. Lehm, Sand und Kohle wurden an Ort und Stelle gegraben.
Die in unmittelbarer Nähe befindliche Ziegelei (um 1866 in Betrieb genommen) lieferte offensichtlich
das für den Aufbau der Ansiedlung entsprechende Material. Die Glasfabrik übernahm als Pächter der
aus Scheckthal stammende Glasmacher Seidensticker. In der Glasfabrik sind hellweiße und farbige
Briefbeschwerer, Lampenschirme, Sturmlaternengläser, Fliegenfänger und Andenken- Artikel gefertigt worden. Diesen Besitz
verkaufte Moritz 1869 an seinen Vetter Hanns Karl von Zehmen, der ihn wiederum später an seinen ältesten Sohn verschenkte.

Es muss mehrere Besitzerwechsel gegeben haben, denn im Jahre 1880 erscheint die "Glasfabrik in Colonie Johannisthal bei
Bernsdorf" unter dem Eigner "Schoenert u. Comp." (Staatsarchiv Bautzen, Erfassung der Fabrikanlagen im damaligen
Landkreis Hoyerswerda). Als die Wälder rundum für die Glasherstellung und den Kohleabbau abgeholzt waren, zog die
Glasfabrik 1893 in Richtung Lauta weiter. Inzwischen hatten sich auch Konkurrenzunternehmen angesiedelt; in der Nähe
des Ortes Lauta wurde 1879 eine Quarzsandgrube für die Glashütte Hosena erschlossen. Auch der Kohleabbau war nicht so
ergiebig wie erhofft, so dass der Betrieb bald eingestellt wurde. 1891 wurde in Johannisthal erneut eine Kohlengrube
aufgeschlossen. Das Vorkommen war aber offensichtlich so gering, daß die Grube kurze Zeit später wieder geschlossen
wurde.

Gutshaus ("Schloss") und Glashüttenhäuser

Nach dem Niedergang der Glashütte ist ein Teil der Glashüttenhäuser abgebrochen worden. In den 1930er
Jahren stehen noch drei. Im Jahr 2000 steht nur noch eins der Häuser, ist aber zu dieser Zeit nicht mehr
bewohnt und steht kurz vor dem Abriss. Das Schloss, eigentlich mehr ein respektables Gutshaus, diente der
Familie von Zehmen ztw. als Sommersitz, wurde etwa ab 1880 vermietet und stand bis etwa 1980. Eine
Zeitzeugin, Frau Ingeborg Decker, geb. Pohling aus Stuttgart, hat Ihre Kindheit in diesem Schloss verbracht
und ihre Erlebnisse in "Meine Kindheit in einem Schloss" und "Erinnerungen an Schloss Johannisthal"
niedergeschrieben.

Sie schreibt u.a.: "Zur Zeit derer von Zehm war der Park noch eingezäunt. Zwei große Kastanienbäume bildeten den
Eingang mit zwei daneben errichteten mächtigen Pfeilern aus Ziegelsteinen, ein schweres schmiedeeisernes Tor
verschloß diesen Zugang. Wie oft sind wir als Kinder auf diese Pfeiler raufgeklettert und runtergesprungen. Vor dem
Schloss bildeten große alte Linden einen Kreis, und neben dem Stallgebäude wuchsen Akazien. Der betäubende
Blütenduft dieser Bäume überzog ganz Johannisthal und verführte dazu, solche Abende draußen bei Mondschein zu
genießen."

"Ein fürstliches Schloss ist es aber, wie gesagt, nicht gewesen. Strom gabs früher nicht im Schloss, als Beleuchtung
dienten Petroleum- Lampen, notfalls auch mal die Karbid- Lampe, die man nachts als Fahrrad- Lampe benutzte. Auch
eine Wasserleitung hatten wir noch nicht. Das Wasser holte man am Goldgraben, mit `ner Tonne auf dem Handwagen.
Nebenbei bemerkt, zum Reinigungsbad mußten wir übern Hof in die Waschküche. Geheizt wurde mit Holz und - natürlich
- mit Braunkohle. Johannisthal hatte seinen eigenen „Kohlberg", die Kohle dort war schon von der Herrschaft von Zehm
ausgebeutet worden. Als diese dann wegzog, brach der ausgehöhlte Berg in lauter Trichter zusammen, die übrigens
heute noch alle zu sehen sind. Im Übrigen erzählte mir meine Mutter, dass nach ein paar Jahren die von Zehms
nochmals zurückgekommen seien und sich das Schloß anschauen wollten. Meine Mutter hat den Besuch dann durch
sämtliche Wohnungen geführt und den Erklärungen zugehört: ... dies war der Speise- und Ball- Saal, das war mein
Salon, dies die Küche mit Durchreiche ... und so weiter."
 



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