Schlossarchitekt von Lossow

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Über das Weißiger Schloss ist in den Jahren seiner Geschichte oft
berichtet worden, nicht nur in den letzten Jahren, sondern auch in den
Jahrzehnten davor, als es noch Kinderheim war. Eine Frage drängt sich
beim Anblick des Schlosses auf. Wie kommt so ein repräsentantes und
dominierendes Gebäude in den kleinen Ort in der Lausitz? Wer war der
Architekt, wer der Bauherr?
Verbindung nach Dresden

Der Architekt war der seinerzeit bekannteste und
führendste Architekt in Sachsen, William Lossow aus
Dresden, und der Bauherr der Weißiger
Rittergutsbesitzer Oskar Horst von Zehmen.

Oskar Horst von Zehmen
Rittergutsbesitzer und Bauherr des Weißiger Schlosses

Über das Zusammentreffen und Zusammenarbeiten beider gibt es keine
gesicherten Erkenntnisse, nur Vermutungen. Denkbar ist Folgendes: Die
Familie von Zehmen war seit dem 16. Jahrhundert in Dresden ansässig.
Sie besaß in Sachsen und Thüringen einige Rittergüter, betrieb sie und
verkaufte sie wieder. Ihr Hauptwohnsitz befand sich in Dresden in der
Schlossstraße 12.

Die meisten männlichen Familienmitglieder dienten „bei Hofe" oder waren
Militärs. Hanns Bastian III. von Zehmen (1691 - 1763) hatte sich bis zum
Kammerjunker bei der Königin Eberhardine, der legitimen Gattin Augusts
des Starken, hochgearbeitet. Die Zehmens waren also in Dresden keine
Unbekannten und bewegten sich in der „feinen Gesellschaft" auf sicherem
Parkett. Man traf sich im Casino, in Salons, im Theater, auf Bällen. Bevor
Oskar Horst von Zehmen 1899 das Rittergut Weißig von seinem Vater Moritz übernahm, hatte er viele Jahre in Dresden als „Königlich
Sächsischer Hauptmann der Landwehrinfanterie" und Kompaniechef gedient. Zu diesem Zeitpunkt war er 52 Jahre alt und hatte sehr
viel Prominenz kennengelernt. So auch den bekannten Architekten William von Lossow.

Horst v. Zehmen hatte bald wieder Schwung in das heruntergewirtschaftete Rittergut gebracht. Wald und Fischzucht waren
ertragreich, und vor allem verpachtete er den südlich des Ortes gelegenen Doberberg als Steinbruch an die Berliner Firma Siemens
und Halske, die auch in der Dresdner Prager Straße eine Filiale betrieb. Der Pachtzins war relativ hoch, vor allem aber waren die
Einnahmen stabil.

Mit seinem alten, schindelgedeckten Herrenhaus konnte er keinen Staat mehr machen. Es musste etwas Neues,
Exklusives, sich und die ganze Gegend Aufwertendes her, etwas, was der Rittergutsbesitzer Horst von Zehmen im
Februar 1907 so begründete:

"Nach Lage der Sache glaube ich, dass nunmehr zweifelsohne die Zeit gekommen ist, das alte Herrenhaus durch ein
neues, den jetzigen, völlig veränderten Verhältnissen ersetzen zu sollen und sich dabei nicht mit dem Notwendigsten zu
begnügen, vielmehr ein Herrenhaus zu erbauen, welches den jetzigen, wertvollen Besitz repräsentiert und bei seiner
bevorzugten, die ganze Gegend weit und breit beherrschenden Lage zu einer Zierde der näheren und weiteren
Umgebung wird".

Der Architekt von Lossow wurde dafür gewonnen. Er inspizierte die Gegend und das Bauland, und stellte fest, dass der
Standort für ein neues Gebäude an Stelle des alten Herrenhauses völlig ungeeignet ist. Das neue Haus muss nicht nur
größer und höher ausfallen, es muss auch an erhöhter Stelle stehen. Dorthin, wo die alte Scheune steht. Und die Straße
nach Lieske muss auch verlegt werden.

Vorschlag und Entwurf gefielen dem Bauherrn. Nach erteilter Baugenehmigung war das Schloss, so konnte man das neue
Haus im Historismusstil nennen, im Herbst 1908 bezugsfertig. Etwas abweichend vom ursprünglichen Plan, denn die
Straße nach Lieske durfte nicht verlegt werden. Dafür bekam das Gebäude einen Wintergarten als Unterbau, einen
riesigen Balkon mit repräsentativer Treppe, und dafür stiegen auch die Baukosten von 80.000,- RM auf 132.000,- RM.
Aber Oskar Horst von Zehmen war stolz auf sein gelungenes Schloss und auf die Verbindung zum großen Architekten.


William von Lossow

William von Lossow, seinerzeit bekanntester sächsischer Architekt, Vertreter verschiedener
historischer Stile vom Mittelalter bis zum Barock

William von Lossow wurde am 21. Juli 1852 in Glauchau geboren.

Schon früh stellte er sein großes Zeichen - und Formtalent unter Beweis. Nach der Bürgerschule in Glauchau besuchte er
die Gewerbeschule in Chemnitz und begann dann am Polytechnikum in Dresden (einer Vorgängereinrichtung der
Technischen Universität) eine Ausbildung als Ingenieur, um 1878 das Studium der Architektur abzuschließen. Eine
einjährige Studienreise nach Italien brachte ihm vermutlich gefüllte Skizzenblöcke und einen Schatz von Anregungen ein.

Lossow und Viehweger

Von 1880 bis 1906 arbeitete er in Dresden mit dem Baumeister Hermann Viehweger zusammen. Abgesehen von
öffentlichen Aufträgen, wie Theater, Schulen und Museen, war er wohl eher ein Architekt für wohlhabende Bauherren,
der Gutshöfe, prächtige Villen, repräsentative Grabmäler und dergleichen baute, aber auch Kirchen, Bankgebäude,
Warenhäuser, Hotels und industrielle Anlagen. Eine Arbeitersiedlung oder eine Gartenstadt hat er nicht entworfen.
1902 errichtete von Lossow seine eigene Villa in Dresden Tiergartenstraße.

Als Beispiel für seine Arbeiten dieser Periode kann seine eigene Villa gelten, das „Haus Hubertus" in der Dresdner
Tiergartenstraße 52, welches die Zerstörung Dresdens überstanden hat. Es handelt sich um eine Art Muster des
historischen Bauens, in dem er von der antiken Säule bis zum mittelalterlichen Wasserspeier so gut wie alle
einschlägigen Spielformen untergebracht hat.

Lossow und Kühne

Die Garnisonskirche in der Dresdner Stauffenberg - Allee.
1896 - 1900 als Simultankirche für die in der Albertstadt stationierten
Soldaten beider Glaubensrichtungen erbaut

Seine Tochter Johanna heiratete um 1905 den Architekten Max Hans Kühne, einen Schüler von Paul Wallot,
dem Schöpfer des Berliner Reichstages. 1906 verband sich William von Lossow mit seinem Schwiegersohn zu der Firma
„Lossow und Kühne". In den nun neun Jahren der Zusammenarbeit mit Max Hans Kühne, die eine Zeit der gegenseitigen
künstlerischen Anregung und Beeinflussung gewesen sein muß, entstanden viele imposanten Bauten, die in die
Architekturgeschichte eingegangen sind.

Gemeinsam mit seinem Schwiegersohn entwarf er das neobarocke „Neue Königliche Schauspielhaus" am Dresdner
Postplatz, 1912 - 1913 errichtet, heute unter dem Namen Staatstheater Dresden, Großes Haus, bekannt.

Zu ihnen gehören die abgebildeten Gebäude ebenso wie die Bauten der großen Hygieneausstellung in Dresden 1911
sowie die ebenfalls 1911 fertiggestellte, im Jugendstil gehaltene Synagoge in Görlitz. Von Lossow projektierte auch das
Rathaus für die damals noch selbständige Vorstadt Plauen. Erbaut 1893 bis 1894

Weitere bemerkenswerten Bauten aus der Feder Lossows sind:

1891 - 1892

das Victoria- Haus in Dresden, im Februar 1945 zerstört

1898 - 1900

Zentralthealer Dresden, mit rund 2000 Sitzplätzen eines der größten Theater Dresdens, 1945 zerstört

1899 - 1901

das Elektrizitäts- und Fernheizwerk westlich der Semperoper (nicht mehr erhalten)

1902

der Müllerbrunnen in Dresden-Plauen

1903 - 1907

Kunstgewerbeschule und Kunstgewerbemuseum Dresden

1912 - 1913

die "Bienertsche" Hafenmühle in Dresden

1912

Palasthotel Weber am Postplatz

1913 - 1915

Hotel "Astoria" in Leipzig

1909 - 1915

Leider hat er die Fertigstellung seines größten Projektes, des Leipziger Hauptbahnhofs, nicht mehr erlebt.

^ Bauzeit  


1906 wurde von Lossow als Professor zum Direktor der Kunstgewerbeschule und des Kunstgewerbemuseums berufen,
da er sich auch um die Entwicklung neuer Formen für industrielle Erzeugnisse verdient machte.

William von Lossow starb am 24. Mai 1914 in Heidelberg im Alter von 61 Jahren.

Spaßvogel Lossow

Es ist verbürgt, dass von Lossow zeitlebens ein amüsanter Mensch und großer Anekdotenerzähler war, der auch einen
Spaß nicht verachtete. Sein persönliches Zeichen, ein von vorn und von der Seite dargestellter stilisierter Vogel, kann
man an der Eingangstür seines Dresdner Grundstückes wiederfinden. Auch private Post hat dieser „Spaßvogel"
manchmal mit diesem Zeichen versehen. Man sollte im Weißiger Schloß einmal suchen und genauer hinsehen, vielleicht
findet sich an verstecktem Ort ebensolches Zeichen wieder.

Manfred Prescher

Quellenverzeichnis :
* Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden
SHStA - 11025 / 4551 : Akten, das von Zehmensche Familien Fideikomiss
betreffend, Bestand 11025 ; Oberlandgericht Dresden 4551 und 4553

* Dr. Otto Heinrich Elias, Stadtnachrichten Glauchau


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