am: 01.07.2011     [Milchrampe]     vom: 03.05.2014

Stichwörter


Kamenz Weißig Schloss Gut von Zehmen Gasthof Zur Einkehr Teichwirtschaft Froschradweg Krabatradweg Park Gruft Biergarten Steinbruch

[Die letzten 5]


Maibaum
Karfreitag
Turmblasen
Volkstrauertag
Fischerfest
Unsere Vereine
Wozu brauchten die Weißiger Bewohner eine Milchrampe? Die Milchrampe war ein Hilfsmittel für den Transport der Milchkannen. Früher hatten die Bauern ihre Milch zur Selbstversorgung gebraucht.

Es wurden Butter, Quark und Käse selber hergestellt, minderwertige Milch (Molke) wurde zur Aufzucht der Kälber verwendet, also die Milch blieb im Dorf. Wer etwas zuviel hatte, schaffte es auf den Markt in die Stadt. Durch die Zwangsabgabe der Milch in den dreißiger Jahren begann eine neue Epoche, in den Städten entstanden Molkereien, die jetzt die Milch verarbeiteten. Die Bauern mussten ein bestimmtes Soll an Milch abgeben, für viele war dies hart an der Grenze des Möglichen.

In dieser Zeit entstanden die Milchrampen. Auf einem erhöhten Podest wurden die Milchkannen von den Bauern morgens abgestellt, später verladen und nach Kamenz transportiert. Nachmittags wurden die Kannen wieder hier abgestellt. Die Transportmittel (vom Pferdewagen bis zum LKW W50) haben sich in den Jahren verändert aber die Milchrampe nicht. Granitsteine dienten zur Erhöhung, die Kanthölzer und Bretter wurden für das Podest und die Treppe verwendet.
In unserem Ort gab es zwei Standorte, im Unterdorf gegenüber von Schneiders und im Oberdorf vor Pötschke Willy. Der Standort im Oberdorf war nicht so günstig, es gab mehrere Auffahrunfälle, da sich die Rampe hinter der Kurve im Kreuzungsbereich befand, der andere Standort war dann gegenüber des Kriegerdenkmals.

Bis Anfang der siebziger Jahre wurden die beiden Milchrampen genutzt. Durch den Beitritt zur LPG Milstrich wurden alle Kühe der Einzelbauern in Großställen untergebracht und versorgt. Einer dieser Ställe wurde in Weißig gebaut hinter dem Grundstück Nr.24. Aber auch die alten Stallungen des Grundstückes wurden für die Milchwirtschaft genutzt. Das Wohnhaus (seit 1961 nicht mehr bewohnt) diente jetzt als Zwischenlager und am Giebel entstand eine neue Milchrampe aus Beton. Heute ist von der Rampe nichts mehr zusehen, da das Gebäude 2001 abgerissen wurde.

Die Milchrampe war auch Treffpunkt zum Austausch von Neuigkeiten. An der Rampe waren eine Tafel und ein Kästchen angebracht. Auf der Tafel befanden sich wichtige Mitteilungen vom Feldbaubrigadier, wo und was für Arbeiten der Genossenschaftsbauern am Tag anliegen. Im Kätchen befanden sich die Milchkarten, auf diesen musste die abgegebene Milchmenge eingetragen werden. Später wurden die Karten durch Zettel an den Milchkannen ersetzt.

Jeder Bauer hatte seine eigene Milchkanne, die er mit dem Ort und seiner Nummer beschriften musste z.B. ‚Weissig 31‘
Später wurde der Ort durch Zahlen ersetzt, Weißig bekam die 78. Die Kannennummer sah dann so aus ‚78/41‘
Die Milch wurde nach Kamenz, später in die Molkerei nach Hoyerswerda und zuletzt in die Molkerei nach Lehndorf geschafft, wo sie verarbeitet wurde.

Damit die Milchrampe nicht in Vergessenheit gerät wurde eine neue auf dem Dorfanger am 12. April 2003 aufgestellt. Für den Bau der Milchrampe stellte der Missionshof Lieske das Holz zur Verfügung und die Granitsteine wurden von der Firma Nowotnik gespendet. Der Rentner Helmut Kubin baute das Podest und die Bürger Harald Petzold, Christian Linke, Gert Witte, Gerolf Boden, Siegfried Noack, Joachim Stelzner und Siegmar Kubin erledigten die anderen Arbeiten.

In diesem Jahr wurde das brüchige Podest durch ein neues ersetzt und zwei weitere Milchkannen fanden einen Platz darauf. Helmut Kubin, Siegfried Noack und Hans-Peter Meißner bauten das Podest und Helmut Stelzer, Lutz Proksch, Joachim Stelzner und Siegmar Kubin befestigten es. Tim Kubin beschriftete mit dem Opa die Milchkannen.

Weißig, im Juni 2011
Siegmar Kubin



^

Weißig auf facebookextern